Offener Brief an Herrn Bickel

Veröffentlicht am 29.12.2018 in Stadtpolitik

Andreas Momberger

Sehr geehrter Herr Bickel,

ihr Beitrag im Meinungstreff der Wetterauer Zeitung vom 29.12.2018 ist grenzwertig und beleidigend. Was für ein Verständnis von Demokratie haben Sie, dass Sie Mitbürger, die von der Mehrheit der Niddataler Wähler in freien Wahlen als Ihre Vertreter gewählt wurden, bezichtigen für die Abschaffung der Demokratie zu votieren? Ausgerechnet Sozialdemokraten, die unter der Nazidiktatur  gelitten haben, Faschismus zu unterstellen ist einfach unverschämt.

Wir sind alle ehrenamtlich tätig, investieren unsere Freizeit und übernehmen Verantwortung  zum Wohle aller Bürger. Wenn dann aus dem Hinterhalt durch Menschen, die keine politische  Verantwortung zu tragen haben, Halbwahrheiten (oder soll ich sagen Fake-News) verbreitet werden, fragt man sich schon, wo hier das Demokratiedefizit liegt.

Um nur zwei Ihrer „Beispiele“  klar zu stellen:

  • Der Vorsitzende des Akteneinsichtsausschusses zur Kita in Ilbenstadt droht den Mitgliedern des Magistrates mit strafrechtlichen Konsequenzen. Kann denn irgendjemand erwarten, dass dann, ohne juristische Beratung, weitere Fragen beantwortet werden?
  • Die Studie zur wirtschaftlichen Machbarkeit des Baugebietes Gollacker wurde in einer öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Umwelt und Bauwesen vorgestellt. Der Sprecher der Bürgerinitiative und andere Zuhörer bekamen Rede- und Fragerecht. Die Fragen, auch die der Opposition,  wurden beantwortet. Dass nicht jeder mit Inhalt und Umfang der Antworten zufrieden war, liegt in der Natur der Sache. Die Studie enthält aber auch  Empfehlungen für den Magistrat zum Kauf des Baugrundes. Die Verhandlungsposition der Stadt wäre geschwächt, würde man solche Inhalte öffentlich diskutieren.

Wenn Sie diese Details nicht kannten, hätten Sie die in der letzten Stadtverordnetenversammlung erfahren können. Oder haben Sie sie bewusst weggelassen.

Ich erwarte von Ihnen eine öffentliche Klarstellung der Tatsachen und eine Entschuldigung für Ihre Unterstellungen.

Ich erwarte von Ihnen mehr Demokratieverständnis und einen respektvolleren Umgang in der Auseinandersetzung, so wie Sie diesen auch für sich einfordern.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Momberger